
Der Leonberger - Standard und Entwicklung |
Der Leonberger - RassestandardFCI-Standard Nr. 145 / 04.01.1996 / D Ursprung: Deutschland Verwendung: Wach-, Begleit- und Familienhund. Klassifikation FCI: Gruppe 2 (Pinscher
und Schnauzer, Molosser und Schweizer Sennenhunde), Sektion 2.2 (Molosser,
Berghunde). Ohne Arbeitsprüfung. Proportionen: Widerristhöhe zur Rumpflänge 9:10, die Brusttiefe beträgt annährend 50 % der Widerristhöhe. Verhalten und Charakter (Wesen): Als Familienhund ist der Leonberger unter den heutigen Wohn- und Lebensbedingungen ein angenehmer Partner, der ohne Schwierigkeiten überallhin mitgenommen werden kann und der sich durch ausgesprochene Kinderfreundlichkeit auszeichnet. Er ist weder scheu noch aggressiv. Als Begleithund ist er ein angenehmer, folgsamer und furchtloser Begleiter in allen Lebenssituationen. Zur geforderten Wesensfestigkeit gehören insbesondere:
Kopf: Er ist im ganzen tiefer als breit und eher langgestreckt als gedrungen; Verhältnis Fang zu Oberkopf etwa 1:1. Die Haut liegt überall an; keine Stirnfalten. Oberkopf: Im Profil und von vorn gesehen wenig gewölbt, dem Rumpf und den Gliedmaßen entsprechend kräftig, aber nicht schwer. Der hintere Teil ist nicht wesentlich breiter als der bei den Augen. Stop: Klar erkennbar, aber mäßig ausgeprägt. Gesichtsschädel: Nase: Schwarz. Fang: Eher lang, nie spitz zulaufend; Nasenrücken gleichmäßig breit, nie eingesenkt, eher leicht gewölbt (ramsnasig). Lefzen: Anliegend, schwarz, Lefzenwinkel geschlossen. Kiefer/Zähne: Kräftige Kiefer mit einem perfekten, regelmäßigen und vollständigen Scherengebiß, wobei die obere Zahnreihe ohne Zwischenraum über die untere greift und die Zähne senkrecht im Kiefer stehen, mit 42 gesunden Zähnen gemäß der Zahnformel (das Fehlen des M 3 wird toleriert); Zangengebiß ist zulässig; im Unterkiefer keine Einschnürung bei den Eckzähnen. Backen: Nur wenig entwickelt. Augen: Hellbraun bis möglichst dunkelbraun, mittelgroß, oval, weder tiefliegend noch hervortretend, weder zu eng noch zu weit auseinander stehend; Augenlider anliegend, keine Bindehaut zeigend; das Weiße des Auges (sichtbarer Teil der Lederhaut) nicht gerötet. Ohren: Hoch und nicht weit hinten angesetzt, hängend, mittelgroß, anliegend, fleischig. Hals: In leichtem Bogen ohne Absatz in den Widerrist übergehend; eher etwas lang als gedrungen; ohne lose Kehlhaut oder Wamme. Körper: Widerrist: Ausgeprägt, besonders beim Rüden. Rücken: Stramm, gerade, breit. Lenden: Breit, kräftig, gut bemuskelt. Kruppe: Breit, relativ lang, sanft abgerundet, fließend in den Rutenansatz übergehend, keinesfalls überbaut. Brust: Breit, tief, mindestens bis auf Ellenbogenhöhe reichend, nicht zu tonnenförmig, eher oval. Untere Profillinie: Nur leicht aufgezogen. Rute: Sehr reicht behaart, im Stand gerade hängend, auch in der Bewegung nur leicht aufgebogen und möglichst nicht über die Verlängerung der Rückenlinie hinausgehend getragen. Gliedmaßen: Sehr kräftig, insbesondere beim Rüden. Vorderhand: Läufe: Gerade, parallel und nicht eng gestellt. Schultern/Oberarme: Lang, schräg gelagert, miteinander einen nicht zu stumpfen Winkel bildend, gut bemuskelt; Ellenbogen anliegend. Vordermittelfüße: Kräftig, fest, von vorn gesehen gerade, von der Seite betrachtet nahezu senkrecht stehend. Pfoten: Gerade gestellt (weder ein- noch auswärts gedreht), rundlich, geschlossen; Zehen gut gewölbt; schwarze Ballen. Hinterhand: Läufe: Stellung von hinten gesehen
nicht zu eng, parallel; Sprunggelenke und Pfoten weder ein- noch auswärts
gerichtet; Afterklauen müssen entfernt sein. Oberschenkel: Ziemlich lang, schräg gelagert, stark bemuskelt. Ober- und Unterschenkel bilden einen deutlichen Winkel. Sprunggelenke: Kräftig, deutlicher Winkel zwischen Unterschenkel und Hintermittelfuß. Pfoten: Gerade stehend, nur wenig länglich; Zehen gewölbt; Ballen schwarz. Gangwerk: Raumgreifender, gleichmäßiger Bewegungsablauf in allen Gangarten; ausgreifender Vortritt und guter Schub; in Schritt und Trab, von vorn und hinten betrachtet, geradlinige Gliedmaßenführung. Haarkleid: Beschaffenheit: Mittelweich bis derb, reichlich lang, anliegend, nie gescheitelt; überall trotz guter Unterwolle noch die Formen des Gebäudes erkennen lassend; schlicht, leicht gewellt noch gestattet; an Hals und Brust – besonders beim Rücken – eine Mähne bildend; deutliche Befederung der Vorderläufe, ausgeprägte Hosen an den Hinterläufen. Farben: Löwengelb, Rot, Rotbraun, auch noch sandfarben (fahlgelb, cremefarbig) und alle Kombinationen zwischen ihnen, jeweils mit schwarzer Maske; schwarze Haarspitzen sind zulässig. Schwarz darf jedoch nicht die Grundfarbe des Hundes bestimmen. Aufhellungen der Grundfarbe an der Unterseite der Rute, an der Halskrause, der Befederung der Vorder- und den Hosen der Hinterläufe dürfen nicht so ausgeprägt sein, daß sie die Harmonie mit der Hauptfarbe stören. Ein kleiner weißer Brustfleck oder schmaler Bruststrich und weiße Haare an den Zehen werden toleriert. Widerristhöhe: Rüden 72-80 cm, empfohlenes Mittelmaß 76 cm, Hündinnen 65-75 cm, empfohlenes Mittelmaß 70 cm. Fehler: Jede geringe Abweichung von den vorgenannten Punkten ist als Mangel, jede deutliche als Fehler zu werten. Die Bewertung muß im genauen Verhältnis zum Grad der Abweichung stehen und berücksichtigen, inwieweit Wesentliches (vor allem Verhalten, Typ, Harmonie, Bewegung) beeinträchtigt ist. Ausschließende Fehler:
N.B.: Rüden müssen zwei offensichtlich normal entwickelte Hoden aufweisen, die sich vollständig im Hodensack befinden. Die Züchter des Deutschen Clubs für Leonberger Hunde sind verpflichtet, in ihrer züchterischen Tätigkeit diesen Standard einzuhalten. Nur bei Einhaltung des Standards und der Zuchtbestimmungen ist es möglich den derzeitigen Stand der Rasse zu erhalten und weiter zu fördern. Das Gebiß: Genau wie der Mensch bekommt der Hund zweimal im Leben Zähne, das Milchgebiß und das bleibende Gebiß. Der Welpe kommt zahnlos zur Welt. Etwa in der vierten Woche wachsen die Schneidezähne, in der fünften bis achten Woche die Backenzähne. Das Milchgebiß besteht aus 28 Zähnen. Ab dem vierten Monat beginnt der Zahnwechsel und ist etwa bis zum achten Monat abgeschlossen.Der Zahnwechsel muß beobachtet werden. Es kann vorkommen, daß ein Milchzahn nicht ausfallen will, der Nachfolger aber nach oben drängt. Dadurch können Mißbildungen bei der Zahnstellung entstehen. Das fertige Gebiß weist 42 Zähne auf. Quelle: Dein Hund „Leonberger“ von Hannelie Schmitt und Gerhard Zerle
Der Leonberger - Ursprung und Entwicklung der RasseDie Stadt Leonberg liegt in der Nähe von Stuttgart. Hier lebte von 1808 bis 1889 Heinrich Essig, der als Stadtrat hohes Ansehen genoß. Auf seinem Hof wurden Federvieh aller Art, andere Tiere und Hunde verschiedener Rassen gehalten und gezüchtet. Er verkaufte im Jahr zwischen zwei- und dreihundert Hunde, so daß er nach heutigen Maßstäben durchaus als Hundehändler im landläufigen Sinne anzusehen wäre. Dies darf uns aber nicht hindern, sein züchterisches Werk voller Achtung zu würdigen. Wie man annimmt, hatte er sich das hohe Ziel gesetzt, einen Hund zu züchten, der in seinem Erscheinungsbild einem Löwen, dem Wappentier Leonbergs, nahekam. Als Ausgangstiere dienten hierzu eine von ihm als Besonderheit geschätzte schwarz-weiße Neufundländerhündin – heute als „Landseer“ bekannt – und ein großer langhaariger St.-Bernhards-Rüde aus dem Klosterhospiz Großer St. Bernhard, zu dem Essig guten Kontakt pflegte. Aus dieser Paarung fielen schwarzweiß gefleckte Jungtiere, die etwa Bernhardiner-Größe erreichten. Da das Wesen der Tiere die gewünschte Eignung als Wach- und Hofhunde aufwies, wurden sie über vier Generationen weitergezüchtet. Um den erreichten Stand zu sichern, tauschte Essig einen zweiten Bernhardinerrüden aus dem Kloster St. Bernhard gegen zwei seiner Kreuzungsprodukte. Später erklärte ihm der Abt dieses Klosters, daß diese beiden Jungtiere mehr als die Bernhardiner zu leisten vermochten. Essig bevorzugte bei seiner Neuzüchtung viel Weiß. Um diese Farbe zu halten, kreuzte er einen Pyrenäen-Berghund ein, den er verfügbar hatte. Diese ziemlich großen Hunde existieren in verschiedenen Farbschlägen, jedoch vorwiegend mit langem, weißem Haar. Der erste, wirklich „Leonberger“ genannte Hund wurde 1846 geboren und machte seine Heimatstadt somit zur ältesten, urkundlich belegten Hundezuchtstätte Deutschlands. Es war gelungen, in dieser neuen Rasse die hervorragenden Eigenschaften des Bernhardiners, des Neufundländers und des Pyrenäenhundes zu vereinigen. Dies erklärt, warum der Leonberger nun einen Siegeszug sondergleichen antrat. Auf einer Ausstellung anläßlich des Oktoberfestes in München wurden Hunde aus der Essigschen Zucht gezeigt, über die ein Pressebericht sagt:“ Der schönste dieser Hunde war gelblichbraun mit schwarzen Schattierungen, etwa wie ein Löwe und auch löwenartig in seinem prachtvollen Wuchs.“ Im Jahre 1870 schreibt eine österreichische Zeitung über den ersten der sieben neuen Hunde der Kaiserin Elisabeth: „ Ihre Majestät, die Kaiserin, ist seit ihrer Rückkehr aus Rom im Besitz eines prachtvollen Leonberger Hundes. In ganz Österreich dürfte kein zweites Exemplar dieser Rasse zu finden sein. Das Tier, welches ein blendend-silberweißes Haar hat, während die Gehänge braun sind, ist höher und stärker als der Neufundländer. Der neue Hund macht täglich die Fahrten in den Prater mit seiner Herrin mit. Der neueste Lieblingshund soll 1400 Silbergulden gekostet haben.“ 1873 wurden 374 Hunde exportiert; der Preis lag bei etwa 1000 Gulden. Kaiser Napoleon III. in Frankreich, der Prince of Wales in England, König Umberto in Italien und der italienische Nationalheld Garibaldi waren stolz auf ihre Leonberger. Aber auch in Deutschland fand die neue Rasse berühmte Liebhaber, zum Beispiel Großherzog Friedrich von Baden, Richard Wagner und Bismarck. Der Dichter Ferdinand Freiligarth besuchte 1869 sogar den Hundepark zu Leonberg. In jüngster Vergangenheit besaßen, um nur wenige Beispiele zu nennen, die Familie des Komponisten Carl Orff und der Sänger Adamo Leonberger Hunde, der Sänger Ivan Rebroff hat sie sogar jahrelang gezüchtet. Die überragende Bedeutung Essigs für den Erfolg der Leonberger-Zucht wurde später erst deutlich, als es nach seinem Tod 1889 damit schnell bergab ging. Der Verlust an Ansehen dieser Rasse ist besonders aus dem Buch von Strebel (1905) „Die deutschen Hunde und ihre Abstammung mit Hinzuziehung und Besprechung sämtlicher Hunderassen“ erkennbar. Er schreibt: „..... so kam die Zeit, wo man gegen die Leonberger-Zucht zu Felde zog als eine unangenehme Begleiterscheinung der Bernhardiner-Zucht. Man brachte es fertig, sie in Acht und Bann zu tun: Was man nicht definieren kann, das sieht man gut als Leonberger an. Dennoch taten sich überall Freunde des Leonbergers zusammen, um das Fortbestehen dieser wunderbaren Rasse zu sichern. So entstanden im Jahre 1895 der „Internationale Club für Leonberger Hunde“, Sitz Stuttgart; 1901 der „Nationale Leonberger Club“, Sitz Apolda in Thüringen und 1908 der „Leonberger Club“, Sitz Heidelberg. Die beidenWeltkriege mit den darauffolgenden Notzeiten brachten schwere Rückschläge. Doch fanden sich sowohl in den zwanziger Jahren wie auch nach 1945 einige Idealisten, die die Reste der Rasse sammelten und versuchten, eine neue Zuchtbasis aufzubauen. Am 10. Juni 1948 wurde der „Deutsche Club für Leonberger Hunde e.V.“ Sitz Leonberg, gegründet, der heute noch die Interessen der Leonberger Rasse und ihrer Freunde vertritt, das Zuchtbuch führt und Mitglied im Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) und der Fédération Cynologique International (FCI) ist. Seite vielen Jahren gibt es auch wieder Clubs in Holland, Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Belgien, Frankreich, Österreich, Italien und der Schweiz, neuerdings sogar in den USA, der Tschechischen und Slowakischen Republik und Spanien. Bereits am 27. September 1975 wurde auf Initiative des damaligen 1. Vorsitzenden des deutschen Clubs, Robert Beutelspacher, im Rathaus der Stadt Leonberg die „Internationale Union für Leonberger Hunde“ gegründet, der alle diese Clubs angehören. Nach der Wende in der DDR wurde dort ebenfalls ein Leonberger Club gegründet, dessen Mitglieder aber Ende 1990 dem Deutschen Club für Leonberger Hunde e.V. beitraten. Die Zucht in der damaligen DDR hatte teilweise ein hohes Niveau. In den 80er Jahren fielen dort durchschnittlich 150 Welpen im Jahr. Dank der Einsicht der Verantwortlichen gibt es auch in Gesamtdeutschland nur einen Leonberger Club, so daß alle an einem Strang ziehen. Inzwischen gibt es in Europa wieder einige tausend Leonberger Hunde, allein in Deutschland wurden in den letzten Jahren im Schnitt etwa 600 Welpen jährlich aufgezogen. Dennoch ist der Leonberger eine seltene Rasse geblieben, und es kann sogar vorkommen, daß man in der Stadt Leonberg verschiedentlich nach der Rasse seiner Hunde gefragt wird, obwohl der jeweilige Oberbürgermeister von jeder Schirmherr der Zucht ist. Quelle: Dein Hund „Leonberger“ von Hannelie Schmitt und Gerhard Zerle |